Immobilienwirtschaft zwischen Zurückhaltung und neuer Dynamik

Baukosten und Bürokratie bremsen den Markt
von office@era.at – 26. Sep 2026

Der Immobilienmarkt zeigt sich 2026 verhalten, gleichzeitig gibt es erste Anzeichen einer Belebung. Laut aktuellem Trendindex der EXPO REAL bewerten 40 Prozent der Befragten die Marktlage als zurückhaltend oder sehr zurückhaltend. Im Vorjahr waren es noch 22 Prozent. Der Anteil der Optimisten sank zugleich von 44 auf 25 Prozent.

Am Investmentmarkt nimmt die Aktivität jedoch wieder zu. Laut CBRE stieg das Transaktionsvolumen für Immobilieninvestitionen in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent. JLL meldet ein Plus von 15 Prozent auf rund 17,6 Milliarden Euro.

Besonders gefragt bleiben Wohnimmobilien. Rund ein Drittel des Transaktionsvolumens entfällt auf diese Assetklasse. Auch Logistikimmobilien legten deutlich zu und erreichten ein Volumen von rund 2,9 Milliarden Euro.

Trotz der leichten Belebung sieht die Branche weiterhin große Herausforderungen. Als zentrale Belastungsfaktoren gelten vor allem hohe Baukosten, eine eingeschränkte Kapitalverfügbarkeit sowie komplexe und langwierige Genehmigungsverfahren.

Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München, sieht die Branche daher weiterhin in einem Spannungsfeld zwischen neuer Investitionsbereitschaft und schwierigen strukturellen Rahmenbedingungen. Aus seiner Sicht seien insbesondere schnellere Fortschritte beim Bürokratieabbau notwendig. Gleichzeitig gewinne investierbare Infrastruktur innerhalb des Immobilienmarktes zunehmend an Bedeutung.

Branche fordert weniger Bürokratie

Für 73 Prozent der Befragten zählt die Entbürokratisierung zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Immobilienwirtschaft. 69 Prozent nennen die Verfügbarkeit von Kapital als entscheidenden Faktor.

Weitere Themen sind die Harmonisierung gesetzlicher Rahmenbedingungen sowie die Transformation bestehender Immobilien.

Auch beim bezahlbaren Wohnraum bleibt die Stimmung verhalten. Die Umsetzung des sogenannten Bau-Turbos wird mehrheitlich kritisch bewertet. 57 Prozent der Befragten vergeben dafür die Note vier oder schlechter.

Besonders groß ist der Wunsch nach niedrigeren Baukosten. 97 Prozent halten deren Senkung für wichtig oder sehr wichtig. Auch bessere Finanzierungskonditionen, serielles Bauen sowie vereinfachte Baustandards werden als wesentliche Maßnahmen angesehen.

Wohnen bleibt wichtigste Assetklasse

74 Prozent der Befragten erwarten, dass Wohnimmobilien weiter an Bedeutung gewinnen. Auf Rang zwei folgen Datenzentren mit 69 Prozent, dahinter Pflegeimmobilien mit 64 Prozent.

Deutlich schwächer schneiden Handel, Büro und Parkhäuser ab. Gleichzeitig gewinnen weitere Infrastruktursegmente wie Gesundheitsimmobilien, Energieinfrastruktur und Defense-Einrichtungen an Bedeutung.

Auch bei den Investitionszielen bleibt Wohnen klar an erster Stelle. 67 Prozent der Befragten nennen Wohngebäude als wichtigsten Investitionsschwerpunkt. Dahinter folgen digitale und soziale Infrastruktur.

Europa bleibt wichtigster Zukunftsmarkt

Europa bleibt für die Branche der wichtigste Immobilienmarkt. Insgesamt 77 Prozent der Befragten bewerten den Kontinent als wichtig oder sehr wichtig. Innerhalb Europas gelten insbesondere Westeuropa, die D-A-CH-Region und Nordeuropa als besonders attraktiv.

Auch die Rolle von Infrastruktur wächst weiter. 71 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Infrastruktur bei Immobilienprojekten heute stärker berücksichtigt wird als noch vor fünf Jahren.

Claudia Boymanns, Exhibition Director der EXPO REAL, sieht darin eine klare Entwicklung hin zu einer stärkeren Verbindung von Immobilien- und Infrastrukturinvestitionen. Mit dem neuen Format „InfrastructureNow“ will die EXPO REAL diesem Bereich künftig mehr Raum geben.

Insgesamt zeigt der Trendindex 2026 einen Markt, der wieder etwas an Dynamik gewinnt, gleichzeitig aber weiterhin stark von hohen Kosten, Bürokratie und schwierigen Finanzierungsbedingungen geprägt ist.

Die EXPO REAL 2026 findet vom 5. bis 7. Oktober in München statt. An der zugrunde liegenden Umfrage beteiligten sich 430 Aussteller sowie Besucherinnen und Besucher der Messe.