Mehrheit will befristete Mietverträge beibehalten

Sechs von zehn Befragten sprechen sich für Befristungen aus
von office@era.at – 27. Jul 2026

Befristete Mietverträge sind auf dem österreichischen Wohnungsmarkt weit verbreitet. Rund ein Viertel aller bestehenden Hauptmietverhältnisse ist befristet, bei den aktuell angebotenen Mietwohnungen liegt der Anteil laut ImmoScout24 sogar bei etwa 50 Prozent. Eine aktuelle Integral-Umfrage im Auftrag von ImmoScout24.at zeigt nun, wie die Bevölkerung zu dieser Vertragsform steht.

Demnach sprechen sich sechs von zehn Befragten für die Beibehaltung befristeter Mietverträge aus. Rund ein Viertel ist dagegen, 16 Prozent haben dazu keine klare Meinung. Befragt wurden insgesamt 1.000 Personen in Österreich.

Deutliches Ost-West-Gefälle

Die Zustimmung unterscheidet sich regional erheblich. Besonders hoch fällt sie in Vorarlberg und Tirol aus: Dort befürworten 72 Prozent der Befragten befristete Mietverhältnisse. In den übrigen Bundesländern liegt der Anteil bei rund 60 Prozent.

Wien hebt sich deutlich davon ab. In der Bundeshauptstadt sprechen sich lediglich 48 Prozent für die Beibehaltung aus, während 40 Prozent Befristungen kritisch sehen. Insgesamt ist die Zustimmung in ländlichen Regionen stärker ausgeprägt als in städtischen Gebieten.

Mietende stehen Befristungen kritischer gegenüber

Unter den Mietenden fällt die Ablehnung erwartungsgemäß höher aus. 40 Prozent dieser Gruppe sprechen sich gegen befristete Mietverträge aus.

Auch Personen, die in Wohnungen mit höchstens zwei Zimmern leben, sind mit einem Anteil von 36 Prozent überdurchschnittlich häufig dagegen. Bei Befragten mit einem Einkommen von bis zu 2.000 Euro liegt die Ablehnung bei 32 Prozent.

Am kritischsten äußern sich Bewohnerinnen und Bewohner von Gemeindewohnungen. Von ihnen plädieren 44 Prozent für eine Abschaffung von Befristungen.

Mietabschlag überzeugt nicht alle

Für befristete Mietverträge sieht das Gesetz unter bestimmten Voraussetzungen einen Abschlag von 25 Prozent auf den Mietzins vor. Nach Ansicht von 42 Prozent der Befragten gleicht dieser Abschlag die mit einer Befristung verbundenen Nachteile ausreichend aus. 38 Prozent teilen diese Einschätzung nicht, rund ein Fünftel ist unentschieden.

Selbst unter den grundsätzlichen Befürwortern befristeter Mietverträge halten nur 55 Prozent den Abschlag für eine ausreichende Kompensation. 29 Prozent dieser Gruppe bewerten ihn als nicht ausreichend.

Besonders positiv wird der Mietabschlag von Personen mit höherer formaler Bildung und hohem Haushaltseinkommen beurteilt. Deutlich kritischer sind Bewohnerinnen und Bewohner von Genossenschafts- und Gemeindewohnungen. In diesen Gruppen halten 54 beziehungsweise 57 Prozent den Abschlag nicht für einen angemessenen Ausgleich.

Unsicherheit bleibt größter Nachteil

Trotz der mehrheitlichen Zustimmung sieht ein großer Teil der Bevölkerung erhebliche Nachteile für Mietende. Für 58 Prozent steht die Unsicherheit über die Wohnsituation nach Ablauf des Vertrags an erster Stelle.

Mehr als die Hälfte nennt zudem die fehlende Gewissheit über eine Verlängerung und mögliche Mieterhöhungen als problematisch. Rund jede zweite befragte Person sieht auch die langfristige Planung von Familie, Beruf und Ausbildung erschwert. Ebenso groß ist die Sorge, nach Vertragsende keine leistbare Wohnalternative zu finden.

Nur vier Prozent der Befragten erkennen in befristeten Mietverträgen keinerlei Nachteile.