Mehrheit will im Alter in den eigenen vier Wänden bleiben

Selbstständigkeit und finanzielle Flexibilität gewinnen bei der Wohnplanung an Bedeutung
von office@era.at – 29. Sep 2026

69 Prozent der Menschen möchten auch im Alter im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung leben. Weitere 15 Prozent bevorzugen laut einer Gallup-Erhebung eine eigenständige, betreute Wohneinheit. Das Wohnen bei Kindern, Enkelkindern oder anderen Verwandten spielt hingegen nur eine geringe Rolle: Lediglich zwei Prozent sehen darin ihre bevorzugte Wohnform, mehr als ein Viertel schließt diese Möglichkeit grundsätzlich aus.

Ähnlich zurückhaltend fällt die Einschätzung gegenüber Seniorenheimen aus. Nur zwei Prozent nennen diese Wohnform als erste Wahl, während sie für 31 Prozent nicht infrage kommt. Vergleichsweise offen zeigen sich die Befragten gegenüber alternativen Wohnformen. Fünf Prozent bevorzugen ein Mehrgenerationen-Wohnhaus, nur sieben Prozent lehnen dieses Modell grundsätzlich ab.

Peter Weinberger und Peter Mayr von Raiffeisen Immobilien Österreich sehen in den Ergebnissen einen deutlichen Hinweis auf den hohen Stellenwert von Selbstständigkeit und dem vertrauten Wohnumfeld im Alter. Entscheidend sei, Eigentümer frühzeitig über unterschiedliche Möglichkeiten zu informieren. Eine rechtzeitige Planung könne dazu beitragen, Wohnqualität, Sicherheit und finanzielle Flexibilität miteinander zu verbinden.

Vererben und Wohnqualität neu abwägen

Viele Eigentümer möchten ihre Immobilie später an die nächste Generation weitergeben. Dadurch würden notwendige Anpassungen an die eigene Wohnsituation mitunter lange hinausgezögert. Gleichzeitig sei ein erheblicher Teil des Vermögens in der Immobilie gebunden, während finanzielle Mittel etwa für einen altersgerechten Umbau, Unterstützung im Alltag oder einen Wohnungswechsel fehlen könnten.

Nach Einschätzung der Immobilienexperten müsse die Entscheidung daher nicht ausschließlich zwischen Verkauf und Vererbung getroffen werden. Vielmehr gehe es darum, eine individuelle Lösung zu finden, die Wohnsicherheit, finanzielle Spielräume und die Interessen der Familie berücksichtigt. Auch mögliche Erben sollten möglichst früh in diese Überlegungen eingebunden werden.

Unterschiedliche Modelle schaffen Spielraum

Eine Möglichkeit besteht darin, eine zu groß gewordene Immobilie zu verkaufen und eine kleinere, barrierefreie Eigentumswohnung zu erwerben. Dadurch kann Kapital freigesetzt werden, ohne vollständig auf Immobilieneigentum verzichten zu müssen. Soll die neue Wohnung bereits vor dem Verkauf gekauft werden, kann auch eine Zwischenfinanzierung geprüft werden.

Eine weitere Variante ist der Verkauf der Immobilie bei gleichzeitig grundbücherlich abgesichertem Wohnrecht. Dadurch können die bisherigen Eigentümer weiterhin in ihrem Zuhause bleiben und zugleich gebundenes Vermögen für Vorsorge, Umbauten, Unterstützung der Familie oder persönliche Wünsche nutzen.

Auch Modelle wie Leibrente oder Teilverkauf können je nach persönlicher Situation infrage kommen. Da sich Kosten, Rechte, Verpflichtungen und Auswirkungen auf ein späteres Erbe deutlich unterscheiden können, ist eine rechtliche, steuerliche und finanzielle Prüfung besonders wichtig.

Weinberger weist darauf hin, dass Immobilien häufig nicht nur das Zuhause, sondern auch den größten Vermögenswert einer Familie darstellen. Dieses Vermögen könne im Alter zusätzliche Handlungsspielräume schaffen. Welche Lösung sinnvoll sei, hänge jedoch wesentlich von der jeweiligen Immobilie, der finanziellen Situation und den persönlichen Plänen ab.