Österreichs Unternehmen machen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung deutliche Fortschritte. Trotz der verspäteten nationalen Umsetzung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und der geplanten Vereinfachungen durch das EU-Omnibus-Paket haben viele Unternehmen bereits erheblich in Daten, Prozesse, Governance und externe Prüfungen investiert.
Nachhaltigkeitsberichte werden dabei zunehmend nicht nur als regulatorische Verpflichtung verstanden, sondern auch als Instrument für Unternehmenssteuerung, Transparenz und langfristige Widerstandsfähigkeit. Das zeigt das aktuelle EY CSRD Barometer 2026, für das 196 Nachhaltigkeitserklärungen zum Geschäftsjahr 2025 untersucht wurden.
Im Mittelpunkt der Analyse stehen Unternehmen, die bereits im Vorjahr Teil der ersten Berichtswelle nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) waren. Darunter befinden sich zehn Unternehmen mit Sitz in Österreich.
Berichte werden kürzer und übersichtlicher
Die zentrale Erkenntnis der Untersuchung: Im zweiten Jahr der ESRS-Berichterstattung sind die Nachhaltigkeitsberichte reifer, klarer und kompakter geworden.
Europaweit sank der durchschnittliche Umfang der Nachhaltigkeitserklärungen von 123 auf 112 Seiten. Insgesamt haben 122 der 196 untersuchten Unternehmen ihre Berichte gegenüber dem Vorjahr gekürzt – durchschnittlich um rund 25 Seiten.
Gleichzeitig konzentrieren sich die Unternehmen stärker auf wesentliche Themen. Auch die Darstellung der doppelten Wesentlichkeitsanalyse und die Qualität der veröffentlichten Daten haben sich verbessert.
„Die zweite Berichtssaison zeigt, dass viele Unternehmen aus dem ersten Jahr gelernt haben. Nachhaltigkeitsberichte werden nicht nur kürzer, sondern auch strukturierter und besser lesbar“, sagt Mirjam Ernst, Director bei EY denkstatt.
Entscheidend sei nicht die Menge der veröffentlichten Informationen, sondern deren Nutzen für Investor, Kund, Mitarbeitende und andere Stakeholder. Berichte müssten nachvollziehbar, vergleichbar und für Entscheidungen relevant sein.
Österreichische Unternehmen nutzen Erleichterungen zurückhaltend
Österreich befand sich während des untersuchten Berichtszeitraums in einer besonderen Situation. Die nationale Umsetzung der CSRD erfolgte später als in vielen anderen europäischen Ländern. Gleichzeitig führten die auf EU-Ebene diskutierten Vereinfachungen zu zusätzlicher regulatorischer Unsicherheit. Dennoch zeigt die Analyse, dass die ESRS-Berichterstattung in österreichischen Unternehmen bereits fest in der Praxis verankert ist.
Auffällig ist, dass Unternehmen in Österreich mögliche Erleichterungen vergleichsweise selten nutzen. Lediglich 20 Prozent der untersuchten österreichischen Unternehmen wenden den sogenannten Quick Fix an. Dieser ermöglicht es, bestimmte Übergangserleichterungen bei einzelnen ESRS-Angaben länger in Anspruch zu nehmen.
Zum Vergleich: In Deutschland nutzen 32,4 Prozent der Unternehmen diese Möglichkeit, in Frankreich 52,9 Prozent und in den Niederlanden 50 Prozent. „Österreichische Unternehmen haben lange auf rechtliche Klarheit warten müssen. Umso bemerkenswerter ist, dass viele dennoch weitergearbeitet haben und sich nicht allein auf Erleichterungen verlassen“, erklärt Ernst.
Dies deute darauf hin, dass Nachhaltigkeitsberichterstattung zunehmend als Bestandteil einer professionellen Unternehmenssteuerung und nicht nur als reine Compliance-Aufgabe verstanden werde.
Gleichzeitig warnt Ernst davor, die regulatorischen Vereinfachungen falsch zu interpretieren. Das Omnibus-Paket könne zwar den Aufwand und die Komplexität reduzieren, die Bedeutung verlässlicher Nachhaltigkeitsinformationen nehme dadurch jedoch nicht ab. Gerade wenn künftig weniger Unternehmen zur Berichterstattung verpflichtet sind, steigen die Anforderungen an Qualität, Vergleichbarkeit und Aussagekraft der veröffentlichten Berichte.
Klimawandel, Belegschaft und Unternehmensführung im Fokus
Die wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen bleiben europaweit unverändert. Im Mittelpunkt stehen die eigene Belegschaft, der Klimawandel und die Unternehmensführung. Alle untersuchten Unternehmen berichten über ihre Mitarbeitenden. 99,5 Prozent behandeln das Thema Klimawandel und 97,4 Prozent veröffentlichen Angaben zu Business Conduct, also zu verantwortungsvoller Unternehmensführung.
Auch bei den österreichischen Unternehmen sind Governance-Themen stark verankert. Sämtliche untersuchten Unternehmen berichten über Aspekte wie Unternehmenskultur, Compliance, Korruptionsprävention, Hinweisgebersysteme, Lieferantenbeziehungen und Zahlungspraktiken. „Die hohe Relevanz von Business Conduct zeigt, dass Nachhaltigkeitsberichterstattung weit über Umwelt- und Klimathemen hinausgeht“, sagt Ernst.
Für österreichische Unternehmen mit internationalen Lieferketten, regulierten Märkten oder komplexen Stakeholder-Beziehungen werde eine glaubwürdige Unternehmensführung zunehmend zu einer wichtigen Voraussetzung für Vertrauen und Resilienz.
Österreich beim Frauenanteil im Top-Management im Hintertreffen
Ein weiterer Schwerpunkt der Studie liegt auf sozialen Kennzahlen und Informationen zur eigenen Belegschaft. Besonders häufig berichten die Unternehmen über Arbeitsbedingungen, Gleichbehandlung, Diversität sowie Gesundheit und Sicherheit.
Die Ergebnisse zeigen jedoch deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Ländern und Branchen. Der Anteil von Frauen im Top-Management liegt bei den untersuchten österreichischen Unternehmen bei lediglich 19,8 Prozent. Damit fällt Österreich hinter mehrere europäische Vergleichsländer zurück. In Norwegen und Schweden beträgt der Frauenanteil im Top-Management jeweils 40,2 Prozent. Frankreich erreicht 32,5 Prozent, Deutschland 24,9 Prozent.
„Die CSRD macht sichtbar, wo Unternehmen stehen – auch bei sozialen Kennzahlen und Diversität“, erklärt Ernst. Diese Transparenz sei wichtig, weil sie Entwicklungen messbar mache und Vergleiche zwischen Unternehmen und Ländern ermögliche. Für Österreich bestehe in diesem Bereich klarer Handlungsbedarf. Diversität in Führungspositionen sei nicht nur eine gesellschaftliche Frage, sondern beeinflusse auch Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitgeberattraktivität und Entscheidungsqualität. Zusätzliche Anforderungen könnten künftig durch die Verbindung der Diversitätsberichterstattung mit der europäischen Entgelttransparenzrichtlinie entstehen.
Externe Prüfung wird zum Standard
Ein wesentlicher Bestandteil der CSRD ist die externe Prüfung von Nachhaltigkeitsinformationen. Laut EY CSRD Barometer hat sich die sogenannte Limited Assurance inzwischen als Marktstandard etabliert. 98 Prozent der untersuchten Nachhaltigkeitserklärungen wurden zumindest mit begrenzter Sicherheit geprüft. In den meisten Fällen erfolgt die Prüfung durch die Abschlussprüfer der jeweiligen Unternehmen.
Die externe Prüfung wirkt sich unmittelbar auf die Qualität der Berichterstattung aus. Daten, Prozesse, interne Kontrollen und Dokumentationen müssen belastbarer werden. Auch die doppelte Wesentlichkeitsanalyse muss nachvollziehbarer begründet und konsistenter dargestellt werden. „Limited Assurance ist mehr als ein formaler Prüfschritt. Sie zwingt Unternehmen dazu, Nachhaltigkeitsdaten ähnlich ernst zu nehmen wie Finanzdaten“, sagt Ernst. Damit gehe ein grundlegender Kulturwandel einher. ESG-Informationen müssten künftig nachvollziehbar, prüfbar und innerhalb des Unternehmens steuerbar sein.
Nachhaltigkeit wird Teil der Unternehmenssteuerung
Insgesamt zeigt das EY CSRD Barometer 2026, dass viele Unternehmen die erste reine Compliance-Phase hinter sich lassen. Die Nachhaltigkeitsberichte werden kompakter, die Wesentlichkeitsanalysen verständlicher und die Datenqualität sowie die Prüfungssicherheit nehmen zu. Der Weg zu einer wirklich entscheidungsrelevanten Berichterstattung bleibt jedoch anspruchsvoll.
Viele Unternehmen müssen Nachhaltigkeit künftig noch stärker mit Strategie, Risikomanagement, Investitionsplanung und operativer Unternehmenssteuerung verbinden. „Die ersten beiden ESRS-Berichtsjahre haben die Grundlage gelegt. Jetzt geht es darum, Nachhaltigkeitsberichterstattung aus der Berichtsecke herauszuholen und in die Unternehmenssteuerung zu integrieren“, so Ernst. Unternehmen, die ihre ESG-Daten gezielt für strategische Entscheidungen nutzen, könnten langfristig resilienter, glaubwürdiger und wettbewerbsfähiger werden.