Kein österreichisches Bundesland schützt seine Böden derzeit ausreichend. Zu diesem Ergebnis kommt der neue WWF-Bodenreport 2026, der erstmals die verbindlichen Regeln und Maßnahmen aller neun Bundesländer systematisch miteinander vergleicht.
Am besten schneidet Salzburg mit einem Gesamtwert von 3,1 auf der fünfstufigen Bewertungsskala ab. Auch Salzburg erreicht damit allerdings lediglich die Einstufung „lückenhaft“. Dahinter folgen Niederösterreich, die Steiermark, das Burgenland, Tirol, Vorarlberg und Wien. Die schlechtesten Bewertungen erhalten Kärnten mit 4,0 und Oberösterreich mit 4,2.
Nach Einschätzung des WWF zeigt die Untersuchung erhebliche Defizite in der österreichischen Bodenpolitik. Wertvolle Flächen würden trotz zunehmender Hitzeperioden weiterhin verbaut und versiegelt, während wirksame Begrenzungen vielfach fehlten. WWF-Bodenschutzsprecher Simon Pories fordert daher, dass die Bundesländer den Bodenschutz stärker in der praktischen Raumplanung verankern.
Mehr als die Hälfte der insgesamt 99 Teilbewertungen des Bodenreports fällt in die Kategorien „kritisch“ oder „ungenügend“. Lediglich drei Bewertungen erreichen die Bestnote „vorbildlich“. Besonders problematisch ist laut WWF, dass bislang kein Bundesland über ein verbindliches und zahlenmäßig festgelegtes Ziel zur Reduktion des Bodenverbrauchs verfügt.
Der WWF sieht darin ein grundsätzliches Problem der Raumplanung. Neue Flächen für Siedlungen, Verkehrswege oder Betriebsgebiete würden vielerorts weiterhin als selbstverständlich betrachtet, während landwirtschaftliche Flächen sowie Natur- und Erholungsräume deutlich schwächer geschützt seien. Gleichzeitig erhöhe diese Entwicklung die Auswirkungen von Hitze, Starkregen und Trockenperioden.
Auch konkrete Vorgaben zum Flächensparen fehlen dem Bericht zufolge in vielen Bundesländern. Das betrifft beispielsweise neue Straßen, Betriebsgebiete oder Einkaufszentren. Ebenso seien Siedlungsgrenzen und landesweit verbindliche Vorrangzonen für Landwirtschaft und Natur häufig nicht ausreichend ausgeprägt.
Zusätzlich sieht der WWF zu wenig Fortschritte bei der Nutzung bestehender Gebäude und Flächen. Leerstände sowie Flächen in Orts- und Stadtzentren würden vielerorts nicht ausreichend aktiviert. Teilweise würden positive Maßnahmen zum Bodenschutz außerdem durch landeseigene Straßen- und Bauprojekte wieder abgeschwächt.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen die Dimension des Problems. Österreichweit wurden im jüngsten Drei-Jahres-Durchschnitt täglich rund 6,5 Hektar Fläche neu beansprucht. Damit liegt der Bodenverbrauch weiterhin deutlich über dem politischen Ziel von 2,5 Hektar pro Tag.
Besonders hoch ist die beanspruchte Fläche pro Einwohner im Burgenland. Dort entfallen 1.251 Quadratmeter auf jede Person. Niederösterreich folgt mit 952 Quadratmetern, Kärnten mit 888 Quadratmetern pro Kopf.
In den alpinen Bundesländern stellt vor allem die begrenzte Verfügbarkeit des Dauersiedlungsraums eine Herausforderung dar. In Vorarlberg sind laut WWF bereits rund 30 Prozent dieser Fläche beansprucht, in Tirol 23 Prozent und in Salzburg 20 Prozent.
Der WWF fordert von Bund und Ländern verbindliche, zahlenmäßig definierte Ziele zur Begrenzung des Bodenverbrauchs. Zusätzlich seien strengere Grenzen für neue Betriebsflächen und Straßen, eine stärkere Entwicklung der Ortskerne und ein besserer Schutz bislang unverbauter Flächen notwendig.
Nach Ansicht der Umweltorganisation sollte die Nutzung bestehender Leerstände und bereits bebauter Flächen Vorrang vor neuen Versiegelungen erhalten. Gleichzeitig müssten landwirtschaftlich genutzte Böden, Grünräume und ökologisch wertvolle Naturflächen stärker abgesichert werden.
Für den Bodenreport hat der WWF die Bodenpolitik der neun Bundesländer in elf unterschiedlichen Handlungsfeldern untersucht. In die Bewertung eingeflossen sind ausschließlich verbindliche Maßnahmen wie Gesetze, Verordnungen, Förderungen oder konkrete Bauprojekte. Politische Absichtserklärungen ohne verbindliche Umsetzung wurden nicht berücksichtigt.
Geprüft wurden unter anderem konkrete Bodenschutz-Ziele in der Raumplanung, Siedlungsgrenzen, Vorrangzonen für Landwirtschaft und Natur sowie Beschränkungen bei Widmung und Verbauung. Weitere Kriterien betrafen zentrale Ursachen des Bodenverbrauchs wie Einkaufszentren, Betriebsgebiete, Tourismus- und Freizeitprojekte, Straßen- und Wohnbau sowie den Umgang mit Leerständen und Maßnahmen zur Belebung von Orts- und Stadtzentren.