Für den deutschen Wohnimmobilienmarkt wird in den kommenden vier Jahren mit weiter steigenden Wohnungsmieten und Kaufpreisen gerechnet. Vor diesem Hintergrund planen Investment- und Asset-Manager für 2026 vor allem Engagements in Core-Objekten sowie im geförderten Wohnungsbau. Deutschland bleibt eine zentrale Investment-Destination. Zusätzlich rücken – sofern sich attraktive Gelegenheiten ergeben – auch Value-Add-Investments in den Fokus, etwa über Projektentwicklungen oder energetische Sanierungen. Chancen außerhalb Deutschlands sehen Marktteilnehmer insbesondere in den Niederlanden, Spanien und Irland. Insgesamt ist die Stimmung im Wohnsegment im Vergleich zu anderen Nutzungsarten am stabilsten – sowohl mit Blick auf den Investmentmarkt als auch auf die Mietentwicklung.
Diese Einschätzungen wurden im Rahmen einer Online-Pressekonferenz zum Wohn-Investmentmarkt 2026 diskutiert, an der Vertreter von KINGSTONE Residential Investments, HIH Invest, PTXRE sowie Catella Investment Management teilnahmen.
Aus Sicht der Marktbeobachtung sind vom makroökonomischen Umfeld kurzfristig nur begrenzte positive Impulse für den Immobilienmarkt zu erwarten. Das Wohnsegment in Deutschland gilt jedoch als vergleichsweise robust, weil das Angebot weiterhin knapp bleibt und die Nachfrage steigt. Besonders kritisch wirken die sinkenden Fertigstellungszahlen: Nach mehr als 300.000 fertiggestellten Wohneinheiten vor der Zinswende wird für 2026 ein Rückgang auf voraussichtlich unter 200.000 Einheiten erwartet. Diese Entwicklung dürfte die Neuvertragsmieten in den Jahren 2026 bis 2029 weiter deutlich nach oben treiben. Auch bei Kaufpreisen wird für denselben Zeitraum ein spürbarer Anstieg prognostiziert. Bereits 2025 waren Preissteigerungen in A-, B-, C- und D-Städten zu beobachten, und diese Bewegung dürfte sich bis 2029 über alle Städtekategorien hinweg fortsetzen – mit der Erwartung, dass sich die Preise gegen Ende 2029 wieder dem Niveau des Höchststands von 2022 annähern.
Im Investmentfokus bleibt das Core- und Core+-Segment. Catella Investment Management setzt weiterhin auf Core/Core+ Wohnimmobilien in Europa, mit einem klaren Schwerpunkt auf Deutschland, aber auch einem positiven Blick auf Märkte wie die Niederlande und Spanien. Besonders gefragt sind dabei Wohnungen mit bezahlbaren Mieten, verstanden als ein Segment zwischen klassisch gefördertem und vollständig frei finanziertem Wohnen, orientiert an marktüblichen Medianmieten.
Auch HIH Invest plant, Wohnen 2026 als wichtigsten Schwerpunkt zu behandeln, mit Fokus auf Core und Core-Plus in deutschen und europäischen Großstädten ab 200.000 Einwohnern. Zusätzlich werden Value-Add-Ansätze stärker berücksichtigt. Dazu zählen der Ankauf älterer Bestandsobjekte in etablierten Lagen mit anschließender energetischer Sanierung und Exit, ebenso wie der Einstieg in baureife Projektentwicklungen, die zu Ende geführt und danach veräußert werden.
Im geförderten Wohnen sehen institutionelle Investoren weiterhin eine hohe Attraktivität. KINGSTONE richtet den Schwerpunkt 2026 entsprechend stark auf dieses Segment aus und setzt eine bereits etablierte Strategie fort. Ergänzend bleibt das Unternehmen im Wohnbereich opportunitätsgetrieben auch im Value-Add-Segment aktiv.
Bei den Renditeerwartungen institutioneller Anleger zeigen sich aktuell Bandbreiten, die je nach Lage und Produktqualität variieren. Genannt werden Ausschüttungsrenditen von rund 3,0 bis 4,0 Prozent pro Jahr bei Core-Immobilien, wobei erstklassige Lagen tendenziell niedrigere Renditen aufweisen und höhere Zielwerte nicht in jedem Fall als realistisch eingeschätzt werden.
Als besonders chancenreich gelten neben Deutschland vor allem Spanien und die Niederlande, wo ein hoher Bedarf an energieeffizienten Objekten mit bezahlbaren Mieten besteht. Spanien bietet dabei im Vergleich zu Deutschland tendenziell höhere Renditepotenziale, während in den Niederlanden Energieeffizienz eine wichtige Rolle für regulierte Mieten spielt. Auch Irland wird als interessanter Markt bewertet, wobei die starke Dynamik bei Preisen und Mieten im Kontext einer höheren Volatilität gesehen wird.