EZB erhöht Leitzins auf 2,25 Prozent

Inflationsdruck durch Nahost-Konflikt verschärft Zinskurs
von office@era.at – 11. Jun 2026

Die Europäische Zentralbank hat erstmals seit September 2023 wieder an der Zinsschraube gedreht. Der für Banken und Sparer zentrale Einlagenzins steigt von 2,0 auf 2,25 Prozent. Mit diesem Schritt reagiert die EZB auf den zunehmenden Inflationsdruck, der sich infolge des Kriegs im Nahen Osten weiter verstärkt hat.

In einer Aussendung verweist die Notenbank auf die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts und die damit verbundenen Risiken für die Preisentwicklung im Euroraum. Die Entscheidung zur Zinserhöhung sei vor dem Hintergrund verschiedener Szenarien zur möglichen Entwicklung des Schocks und seiner mittelfristigen Auswirkungen auf die Eurozone getroffen worden.

Zuvor hatte die EZB den Einlagenzins siebenmal in Folge unverändert bei 2,0 Prozent belassen. Die letzte Zinserhöhung im Euroraum lag fast drei Jahre zurück.

Die Notenbank befindet sich damit in einem schwierigen Umfeld: Einerseits bleibt die Inflation erhöht, andererseits trüben sich die Konjunkturaussichten ein. Die EZB spricht von einem Stagflationsdilemma. Im aktuellen Basisszenario erwartet sie für 2026 nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent, für 2027 von 1,2 Prozent und für 2028 von 1,5 Prozent. Für 2026 und 2027 wurden die Prognosen damit nach unten korrigiert.

Als Gründe nennt die EZB unter anderem die stärkeren Auswirkungen des Kriegs auf Rohstoffmärkte, Realeinkommen und das Vertrauen von Unternehmen und Konsumenten. Auch die Binnennachfrage dürfte schwächer ausfallen als noch im März angenommen.

Die Unsicherheit bleibt hoch. Während die Inflationsrisiken nach oben zeigen, bestehen für das Wirtschaftswachstum weiterhin Abwärtsrisiken. Besonders im Dienstleistungssektor deuten Umfragen bereits auf eine zunehmende Konjunkturabkühlung hin.