Der klimaaktiv Gebäudestandard zählt im europäischen Vergleich weiterhin zu den führenden Zertifikaten für nachhaltiges Bauen und Sanieren. Bis Ende 2025 wurden österreichweit 2.163 Gebäude nach dem Qualitätsstandard bewertet und zertifiziert. Ende März 2026 lag die Zahl bereits bei 2.250 Objekten. Allein im Jahr 2025 kamen 363 Gebäude hinzu, die mit klimaaktiv Gold, Silber oder Bronze ausgezeichnet wurden. Das entspricht einem Zuwachs von knapp 20 Prozent.
Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner erklärte, der Erfolg des klimaaktiv Gebäudestandards zeige, dass Qualität und Wirtschaftlichkeit am Bau einander nicht ausschließen würden, sondern sich vielmehr ergänzten. Gerade in der aktuellen Situation brauche es ihrer Ansicht nach Orientierung, Planbarkeit und Investitionen mit langfristiger Wirkung. Effiziente Gebäude könnten laufende Kosten senken, die Abhängigkeit von fossilen Importen verringern und die Widerstandsfähigkeit des Standorts stärken. Das sei nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich klug.
Ein großer Teil der im Jahr 2025 zertifizierten Neubauten und Sanierungen entfiel auf Mehrfamilienhäuser. Insgesamt wurden 242 großvolumige Wohngebäude mit mehr als 600.000 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche nach dem klimaaktiv Gebäudestandard qualitätsgeprüft. Diese Fläche entspricht ungefähr 6.400 durchschnittlichen Wohneinheiten.
Die gesamte Bruttogrundfläche aller bis Ende 2025 mit klimaaktiv Gold, Silber oder Bronze zertifizierten Gebäude beträgt rund 6,4 Millionen Quadratmeter beziehungsweise 6,4 Quadratkilometer. Damit ist sie mehr als zweieinhalbmal so groß wie die Wiener Seestadt Aspern, die rund 2,4 Quadratkilometer umfasst.
Besonders stark vertreten ist die höchste Qualitätsstufe Gold. Ende 2025 hatte mehr als die Hälfte aller klimaaktiv Gebäude diese Kategorie erreicht. Insgesamt wurden bis dahin 831 Gebäude mit einer Bruttogrundfläche von rund drei Millionen Quadratmetern in Gold zertifiziert. Als ein Grund für diese Entwicklung gilt, dass immer mehr Förderungen, Richtlinien und Vorgaben von Bund und Ländern auf die Qualitätskriterien von klimaaktiv Bezug nehmen.
Im Bundesländervergleich liegt Tirol mit 633 zertifizierten Gebäuden an der Spitze. Danach folgen Wien mit 473 und Niederösterreich mit 346 Gebäuden. Betrachtet man hingegen die zertifizierte klimaaktiv Fläche, führt Wien das Ranking an. Danach folgen Tirol, Niederösterreich und die Steiermark. Knapp die Hälfte der gesamten zertifizierten Gebäudefläche befindet sich in der Bundeshauptstadt.
Auch für die Immobilienwirtschaft gewinnt der Standard weiter an Bedeutung. Mit dem aktualisierten Kriterienkatalog 2025 ist klimaaktiv stärker mit europäischen Vorgaben verknüpft. Anforderungen aus der EU-Gebäuderichtlinie EPBD sowie der EU-Taxonomie werden umfassend berücksichtigt. Für Immobilienentwickler und Bauträger kann das ein Vorteil sein, weil Nachweise aus der klimaaktiv Zertifizierung direkt in Taxonomie-Prüfungen einfließen können. Damit wird der Gebäudestandard zunehmend zu einem strategischen Instrument für zukunftssichere Immobilienentwicklung.
Bereits seit 2020 ist der Einsatz fossiler Energieträger bei klimaaktiv Gebäuden ausgeschlossen. Zusätzlich wurden die Qualitätsanforderungen im Bereich Energieeffizienz weiter angehoben. Viele zertifizierte Gebäude erreichen einen hohen Eigenversorgungsgrad, etwa durch Photovoltaik oder Solarthermie. Energiespeicher können zudem dazu beitragen, die Stromnetze zu entlasten und Gebäude energieflexibler sowie netztauglicher zu machen.
Grundlage des klimaaktiv Gebäudestandards ist ein transparentes Bewertungssystem mit 1.000 Punkten. Neubauten und Sanierungen werden dabei nach denselben Regeln beurteilt. Verbindliche Muss-Kriterien sollen sicherstellen, dass nur Gebäude mit nachweislich hoher energetischer und baulicher Qualität das klimaaktiv Gütezeichen erhalten.
Die bisher zertifizierten Gebäude in ganz Österreich zeigen, dass hohe Anforderungen an Energieeffizienz, fossilfreie Energieversorgung und Eigenversorgung mit erneuerbarer Energie in der Praxis umsetzbar sind. Der Standard trägt damit zur systematischen Umsetzung von Energie- und Effizienzzielen bei – im Neubau ebenso wie in der Sanierung, im Wohnbau, bei öffentlichen Gebäuden und im Gewerbebereich.
Für Bauträger, Immobilienentwickler, Förderstellen, Gemeinden und Städte bietet das Bewertungssystem eine klare Orientierung. Bereits in der Ausschreibungsphase kann damit eine hohe Qualität eingefordert und für alle Beteiligten nachvollziehbar gemacht werden.