„Made in Europe“ braucht mehr Raum

Europa benötigt jährlich 20 Millionen Quadratmeter zusätzliche Industriefläche
von office@era.at – 30. Apr 2026

Europa muss seine Industrie- und Logistikflächen deutlich ausbauen, wenn die Ziele der Initiative „Made in Europe“ erreicht werden sollen. Eine aktuelle Analyse von Aberdeen Investments kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2035 jedes Jahr rund 20 Millionen Quadratmeter zusätzliche Fläche benötigt werden.

Zur Einordnung: Dieser jährliche Bedarf entspricht etwa 2.800 Fußballfeldern. Im europäischen Vergleich wird die Dimension noch deutlicher: Die Fläche entspricht ungefähr zehn Berliner Tiergärten, mehr als zwei Bois de Boulogne in Paris oder knapp drei Mal der Fläche Venedigs.

Hintergrund ist das politische Ziel, den Anteil der Industrieproduktion in Europa bis 2035 auf 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Angesichts geopolitischer Spannungen, regionaler Konflikte und anhaltender Probleme in globalen Lieferketten gewinnt der Aufbau eigener Produktionskapazitäten in Europa zunehmend an Bedeutung.

Craig Wright, Head of European Research, Real Estate bei Aberdeen Investments, sieht geeignete Immobilien als entscheidenden Faktor für diese Entwicklung. Europa stehe vor einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel. Um die Produktionsziele zu erreichen, müssten bis 2035 jährlich rund 784 neue oder umgewidmete Industrie- und Logistikimmobilien entstehen – bei einer durchschnittlichen Größe von 25.000 Quadratmetern pro Objekt.

Nach Jahren starker Abhängigkeit von internationalen Lieferketten beschleunigen Politik und Unternehmen nun den Aufbau industrieller Kapazitäten innerhalb Europas. Dieser Wandel wird laut Wright durch geopolitische Unsicherheiten, fragile Lieferketten, Nachhaltigkeitsziele und industriepolitische Maßnahmen vorangetrieben. Für Immobilieninvestoren entstehen dadurch neue Rahmenbedingungen und eine zentrale Rolle bei der Umsetzung dieser Transformation.

Der geschätzte Flächenbedarf von 20 Millionen Quadratmetern pro Jahr entspricht laut Aberdeen Investments einem jährlichen Investitionsvolumen von rund 28 Milliarden Euro. Das wäre mehr als die Hälfte zusätzlich zu den gesamten Investitionen in europäische Industrie- und Logistikimmobilien im Jahr 2025.

Die Analyse verweist zudem auf ein wachsendes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf den britischen und europäischen Immobilienmärkten. Für Investoren in Industrie- und Logistikimmobilien kann sich daraus langfristig eine attraktive Chance ergeben. Gleichzeitig stellt der zusätzliche Flächenbedarf Politik, Planung und Genehmigungsprozesse vor erhebliche Herausforderungen.

In einem Marktumfeld, in dem Aktien- und Anleihemärkte volatiler geworden sind und stärker miteinander korrelieren, unterstreicht Aberdeen Investments außerdem die Bedeutung von Immobilien als stabilisierenden Bestandteil breit gestreuter Portfolios. Langfristige Daten zu Risiko und Gesamtrendite zeigen, dass direkte Immobilienanlagen nur gering oder sogar negativ mit öffentlichen Märkten korrelieren. Die annualisierte Volatilität liegt bei direkten Immobilienanlagen in Großbritannien und Europa bei rund fünf Prozent, verglichen mit etwa sieben Prozent bei globalen Unternehmensanleihen und knapp 15 Prozent bei globalen Aktien.