Österreichs Banken bleiben ertragsstark – Gewerbeimmobilien erhöhen den Druck

OeNB sieht steigende Risiken bei Immobilienkrediten
von office@era.at – 23. Apr 2026

Die österreichischen Banken zeigen sich weiterhin profitabel, doch im Bereich der Gewerbeimmobilien nehmen die Risiken deutlich zu. Nach Angaben der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hat die Kreditvergabe im Inland im Jahr 2025 wieder an Dynamik gewonnen. Treiber dieser Entwicklung war vor allem das stärkere Hypothekargeschäft mit privaten Haushalten. Die Kreditvergabe an Unternehmen blieb hingegen verhalten.

Die Quote notleidender Kredite stabilisierte sich zuletzt bei rund 3 %. In einzelnen Segmenten ist die Entwicklung jedoch weiterhin angespannt. Besonders betroffen sind Kredite an kleine und mittlere Unternehmen sowie gewerbliche Immobilienfinanzierungen. Dort stieg die NPL-Quote im Jahresvergleich weiter auf 6,3 % beziehungsweise 8,3 %. Ende 2024 lagen diese Werte noch bei 6,1 % und 6,3 %. Damit liegen beide Bereiche klar über dem Durchschnitt.

Gleichzeitig ging die Dotierung der Risikovorsorgen für Kreditausfälle im Jahr 2025 zurück. Dadurch sank die Abdeckung notleidender Kredite durch Wertberichtigungen auf unter 40 %. OeNB-Gouverneur Martin Kocher sieht hier entsprechenden Aufholbedarf.

Besonders deutlich zeigt sich die Verschlechterung bei gewerblichen Immobilienkrediten. Seit dem Zinsanstieg ab 2022 ist die NPL-Quote in diesem Segment stark gestiegen. Im Bereich des gewerblichen Wohnens gelten mittlerweile mehr als 14 % der Kredite als notleidend. Im europäischen Vergleich fällt der österreichische Bankensektor nicht nur durch diese Entwicklung auf, sondern auch durch den hohen Anteil gewerblicher Immobilienkredite an den gesamten Unternehmenskrediten. Dieser liegt bei 43 %.

Immobilien spielen bei der Abwicklung notleidender Kredite eine zentrale Rolle, da sie häufig als Sicherheiten dienen. Aus Sicht der Finanzstabilität ist deshalb eine vorsichtige und konservative Bewertung dieser Sicherheiten besonders wichtig.

Das Finanzmarktstabilitätsgremium empfahl vor diesem Hintergrund, die Risikotragfähigkeit der Banken im Segment gewerblicher Immobilien zu stärken. Konkret soll der sektorale Systemrisikopuffer bis Mitte 2026 auf 2 % und bis Mitte 2027 auf 3,5 % angehoben werden. Zusätzlich unterstützt ein regelmäßig aktualisiertes CRE-Dashboard der OeNB das Monitoring dieses für Österreichs Banken wichtigen Marktsegments.

Entspannter zeigt sich die Lage bei Wohnimmobilienkrediten. Aufgrund gesunkener Zinsen hat sich die Kreditvergabe in diesem Bereich seit dem Tiefpunkt Ende 2023 deutlich erholt. Die Vergabestandards bleiben jedoch weiterhin hoch – gestützt durch ein Rundschreiben der Finanzmarktaufsicht sowie die Leitlinie des Finanzmarktstabilitätsgremiums.