Teures Wohnen hat einen Hauptgrund: Energie, nicht Miete

Energiekosten treiben die Inflation – die Mietpreisbremse setzt am falschen Punkt an
von office@era.at – 23. Jan 2026

Die Veröffentlichung der Jahresinflation 2025 durch Statistik Austria zeigt erneut, wie schnell die öffentliche Debatte zu falschen Schlussfolgerungen führt. Besonders im Warenkorb „Wohnen, Wasser und Energie“ werden Bereiche zusammengefasst, die sich sehr unterschiedlich entwickeln. Gerade das verzerrt die Wahrnehmung: Während bei vielen der Eindruck entsteht, Mieten seien der zentrale Preistreiber, stiegen die Strompreise 2025 tatsächlich um 37,3 Prozent.

ÖHGB-Präsident RA Dr. Martin Prunbauer warnt daher vor simplen Botschaften: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher könnten glauben, die Hauptmietzinse seien hauptverantwortlich für teures Wohnen – dabei ist diese Schlussfolgerung irreführend.

Im Wohnsegment werden nicht nur Hauptmietzinse abgebildet, sondern auch Betriebskosten, Gebühren und Abgaben. In den Betriebskosten sind etwa auch Stromkosten enthalten (z. B. für Außen- oder Stiegenhausbeleuchtung). Gleichzeitig wurden Gebühren und Abgaben laufend erhöht – im Gegensatz zu den Mietzinsen, die in den vergangenen Jahren teils ausgesetzt oder begrenzt wurden. Das verstärkt den Eindruck steigender Wohnkosten, obwohl die Ursachen differenzierter sind.

Hinzu kommt: Seit 2023 wurden Indexierungen im regulierten Bereich ausgesetzt und für 2026 auf lediglich 1 Prozent begrenzt. Laut ÖHGB sind Vermieterinnen und Vermietern dadurch insgesamt rund 8 Prozent an Einnahmen entgangen – Verluste, die nicht nachholbar seien.

Ein Blick auf die Preisentwicklung zwischen 2020 und 2025 zeigt zudem: Die Hauptmietzinse sind im Vergleich zur allgemeinen Preissteigerung real sogar gesunken. Auch die Belastung der Haushalte habe sich laut ÖHGB insgesamt kaum verändert, weil Tariflöhne stärker stiegen als die Mieten. Prunbauer bringt es so auf den Punkt: Die Einkommen hätten sich in diesem Zeitraum deutlich positiver entwickelt als die Mieten.

Kritik übt der ÖHGB daher an der geplanten weiteren Regulierung über das 5. MILG. Die Mietpreisbremse greife „ins Leere“, weil sie ein Segment treffe, das nicht Hauptverursacher der Inflation sei. Zudem wirke sie wie eine pauschale Maßnahme für alle, unabhängig von der sozialen Situation, und bremse dringend notwendige Investitionen in Wohnraum – mit negativen Folgen auch für Mieterinnen und Mieter.

Besonders deutlich wird das im Neubau: Die Zahl der Baubewilligungen sank von 86.410 (2019) auf 51.473 (2024), während die Bevölkerung von 8.932.664 (1.1.2021) auf 9.216.459 (1.10.2025) wuchs. Prunbauer warnt: Österreich brauche mehr Wohnungen, nicht zusätzliche politische Bremsen. Wer Investitionen durch falsche Signale abschrecke, verschärfe die Wohnungsnot – während Energiekosten und öffentliche Gebühren weiter steigen.

Der ÖHGB fordert daher vor allem eines: eine klare, ehrliche Kommunikation darüber, was Preise tatsächlich antreibt – und politische Maßnahmen, die gezielt dort ansetzen, wo sie wirksam und sinnvoll sind, statt das Mietsegment pauschal zu bestrafen.