VÖB setzt auf Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung

Betonfertigteilbranche bleibt trotz schwieriger Konjunktur auf Transformationskurs
von office@era.at – 19. May 2026

Die Unternehmen des Verbandes Österreichischer Betonfertigteilwerke (VÖB) wollen ihre Nachhaltigkeitsmaßnahmen weiter vorantreiben, auch wenn sich das wirtschaftliche Umfeld zuletzt deutlich eingetrübt hat. Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung in Linz wurde betont, dass die Branche ihre Aufgaben gemacht habe, nun aber unter zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen stehe.

VÖB-Vorsitzender Michael Wardian verwies darauf, dass die Baubranche mit rund acht Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt zu den bedeutendsten Wirtschaftsbereichen Österreichs zähle. Die Mitgliedsbetriebe seien zunächst vorsichtig optimistisch in das Jahr gestartet.

Auch das zuletzt veröffentlichte VÖB-Konjunkturbarometer habe Anlass zu Zuversicht gegeben. Demnach seien fast 90 Prozent der Befragten für das erste Halbjahr 2026 von gleichbleibenden oder steigenden Umsätzen ausgegangen. Wardian erklärte, dass die ersten beiden Monate zwar durch Dauerfrost und Schneefall belastet gewesen seien, dennoch habe die Hoffnung bestanden, den konjunkturellen Tiefpunkt bereits überwunden zu haben. Vernünftige Energiepreise und mäßige Zinsen hätten zusätzlich für Optimismus gesorgt. Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten hätten diese Erwartungen jedoch vor allem im Hochbau deutlich gedämpft. Die ursprünglich erhoffte Konjunkturerholung erscheine nun kaum mehr erreichbar.

Besonders angespannt ist die Lage im Wohnbau. Während im Jahr 2017 noch beinahe 87.000 neue Wohnungen baubewilligt wurden, waren es 2025 nur noch 47.636. Das entspricht einem Rückgang von rund 45 Prozent. Bei baubewilligten Wohnungen in Neubauten fiel der Rückgang mit 56 Prozent noch deutlicher aus. VÖB-Geschäftsführer Anton Glasmaier wies darauf hin, dass selbst im Krisenjahr 2009 mehr neue Wohnungen bewilligt worden seien als im Vorjahr. Der VÖB fordere daher schon seit längerer Zeit ein eigenes Bauministerium, das zentrale Themen wie die Ankurbelung des Wohnbaus, die Stärkung des Wirtschaftsstandortes und den Umweltschutz bündeln solle.

Neben dem Wohnbau stehen auch Gemeinden und Industrie unter Druck. Viele Kommunen verfügen derzeit nicht über ausreichende Mittel für notwendige Infrastrukturmaßnahmen, etwa im Bereich Kanalisation oder bei Kindergärten. Gleichzeitig fehlen der Industrie angesichts der schwachen Konjunktur Investitionsanreize für neue, nachhaltig errichtete Gebäude. Wardian bezeichnete diese Entwicklung als besonders problematisch für die Betonfertigteilbranche.

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung wurde auch das Führungsteam des VÖB verjüngt. Simone Oberndorfer, Geschäftsführerin der Franz Oberndorfer GmbH & Co KG, sowie Sebastian Eder, Geschäftsführer der Systembau Eder GmbH, wurden als stellvertretende Vorsitzende an die Seite von Michael Wardian gestellt.

Der Veranstaltungsort hatte dabei symbolischen Charakter: Die Jahreshauptversammlung fand in der Raiffeisen Arena auf der Gugl in Linz statt, der Heimstätte des LASK. Das Stadion wurde zu großen Teilen mit Betonfertigteilen eines oberösterreichischen Unternehmens errichtet und generiert laut Studie jährlich 128,8 Millionen Euro an regionalwirtschaftlichen Effekten. Glasmaier betonte, dass Betonfertigteile meist in der Nähe des jeweiligen Bauvorhabens hergestellt würden. Dadurch leiste die Branche einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung und reduziere zugleich durch kurze Transportwege die Umweltbelastung.

Ein weiterer Schwerpunkt der Versammlung lag auf Forschungs- und Entwicklungsprojekten für eine nachhaltigere Bauwirtschaft. Der VÖB beteiligt sich an mehreren Initiativen, die Material- und Energieeinsatz verringern sowie die Lebenszyklusbewertung von Bauwerken verbessern sollen. Im Projekt agileTragwerksplanung gehe es darum, durch optimierte Planungs- und Berechnungsmethoden schlankere Bauteile, verbesserte Querschnitte und effizientere Abläufe zwischen Planung, Produktion und Montage zu ermöglichen.

Mit dem Projekt LZinfra soll ein standardisiertes Lebenszyklustool zur Nachhaltigkeitsbewertung von Verkehrsinfrastrukturen entwickelt werden. Ziel sei eine transparente und praxisnahe Methodik, die ökologische und ökonomische Aspekte über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks berücksichtigt. Das Projekt EcoTwin kombiniert digitale Zwillinge mit Nachhaltigkeitsbewertungen und Monitoringdaten, um Infrastrukturbauten langfristig besser planen, bewerten und optimieren zu können.

Zusätzlich hat der VÖB Branchen-EPDs am Markt positioniert. Glasmaier erläuterte, dass Environmental Product Declarations umfassende Daten zu den Umweltauswirkungen eines Bauprodukts über dessen gesamten Lebenszyklus bereitstellen. Damit bildeten sie eine wesentliche Grundlage für ganzheitliche Ökobilanzvergleiche von Bauwerken.