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WIFO: Österreich erlebt drittes Rezessionsjahr in Folge

Österreich befindet sich im dritten Rezessionsjahr in Folge - die längste wirtschaftliche Flaute seit Bestehen der Zweiten Republik.
von office@era.at – 27. Mar 2025

Laut Marcus Scheiblecker, einem der Autoren der aktuellen WIFO-Prognose, könnte ab der zweiten Jahreshälfte 2025 eine Wende eintreten - vorausgesetzt, das internationale Umfeld spielt mit.

Nach einem BIP-Rückgang von 1% im Jahr 2023 setzte sich die wirtschaftliche Talfahrt 2024 mit einem Minus von 1,2% fort. Vor allem in der zweiten Jahreshälfte verstärkt sich der negative Trend. Die heimische Industrie leidet weiterhin unter schwierigen Rahmenbedingungen, die auch im Jahr 2025 für viele Branchen zur Belastungsprobe werden. Ab Sommer 2025 wird jedoch eine leichte Belebung der EU-Konjunktur erwartet, die sich positiv auf die Exportnachfrage - und damit auch auf die österreichische Wirtschaft - auswirken könnte.

Trotz der erhofften Erholung wird 2025 insgesamt noch kein Wachstum bringen. Das WIFO prognostiziert einen weiteren Rückgang um 0,3%. Erst 2026 sollen fiskalische Impulse aus Deutschland und der EU eine nachhaltige Konjunkturbelebung bringen. Für Österreich wird dann ein Wachstum von 1,2 % erwartet - etwas weniger als das für Deutschland prognostizierte Plus von 1,5 %.

Ein Lichtblick ist die Bauwirtschaft, die bereits im ersten Halbjahr 2025 die Talsohle durchschreiten dürfte. Die 2024 beschlossene Wohnrauminitiative sollte ab der zweiten Jahreshälfte für Impulse sorgen und 2026 ihre volle Wirkung entfalten. Begünstigt durch sinkende Zinsen könnte der Bausektor dann zu einem wichtigen Wachstumstreiber für die Gesamtwirtschaft werden.

Außerhalb des Bausektors bleiben die Investitionen 2025 jedoch schwach. Angesichts der geringen Kapazitätsauslastung konzentrieren sich die Unternehmen eher auf Ersatz- als auf Erweiterungsinvestitionen. Die Sparquote der privaten Haushalte, die 2024 stark angestiegen war, dürfte 2025 wieder etwas sinken. Trotz der Auswirkungen des Sparpakets ist damit ein leichter Anstieg des privaten Konsums möglich.

Die Inflationsrate ist im Jahr 2024 deutlich auf 2,9% gesunken. Für 2025 erwartet das WIFO allerdings nur mehr einen langsamen Rückgang - vor allem aufgrund des Auslaufens der Strompreisbremse, höherer Netzentgelte und höherer CO Die Inflationsrate ist zu Beginn des Jahres wieder angestiegen und dürfte im Jahresverlauf nur allmählich zurückgehen. Für 2025 wird ein Durchschnittswert von 2,7 % prognostiziert, für 2026 von 2,1 %.

Trotz der anhaltenden Konjunkturschwäche konnte 2024 ein leichter Beschäftigungszuwachs verzeichnet werden, der sich 2025 fortsetzen dürfte. Allerdings ist die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf deutlich gesunken, was zu einem geringeren Arbeitsvolumen führt. Erst 2026 wird das Arbeitsvolumen mit einer Zunahme der unselbständigen Beschäftigung um 0,8 % wieder steigen. Die Arbeitslosenquote dürfte bis 2025 auf 7,3% ansteigen und bis 2026 leicht auf 7,1% zurückgehen.

Problematisch bleibt die angespannte Budgetsituation: Aufgrund der schwachen Konjunktur und des hohen Defizits im Jahr 2024 werden die Sparbemühungen voraussichtlich nicht ausreichen, um das Budgetdefizit im Jahr 2025 unter die Maastricht-Grenze von 3% zu drücken. Laut Prognose wird es bei 3,3 % liegen und 2026 - trotz besserer Konjunktur, aber wegen neuer Ausgabenprogramme - sogar auf 3,5 % steigen.

Auch beim Klimaschutz sind Fortschritte erkennbar, wenn auch verlangsamt: Der Rückgang der Treibhausgasemissionen wird sich 2025 mit einem Minus von 1,8 % fortsetzen - nach einem Rückgang von 2,8 % im Vorjahr. Gründe dafür sind die Stabilisierung der Industrieproduktion und der milde Winter 2024. Für 2026 rechnet das WIFO mit einem weiteren Rückgang um 1,4 %, obwohl die Industrie dann wieder stärker produzieren dürfte.