Wohnbau in Österreich erholt sich leicht

Neubauzahlen steigen moderat, bleiben aber unter dem tatsächlichen Bedarf
von office@era.at – 29. Apr 2026

Der aktuelle 1. Österreichische Neubaubericht zeigt eine leichte Erholung am heimischen Wohnbaumarkt. Nach einem schwachen Jahr 2025 dürfte die Zahl der fertiggestellten Wohnungen 2026 wieder moderat steigen. Für eine nachhaltige Entspannung am Wohnungsmarkt reicht diese Entwicklung nach Einschätzung des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Österreich und des Verbandes der gemeinnützigen Bauvereinigungen jedoch noch nicht aus.

Im Jahr 2025 wurden österreichweit rund 24.530 Wohneinheiten fertiggestellt. Für 2026 wird mit rund 27.000 tatsächlich fertiggestellten Einheiten gerechnet. WKÖ-Fachverbandsobmann Roman Oberndorfer sieht darin zwar ein positives Signal, verweist aber darauf, dass die Bautätigkeit weiterhin unter jenem Niveau liege, das notwendig wäre, um den tatsächlichen Wohnraumbedarf in Österreich zu decken. Auch Michael Gehbauer, Obmann des Verbandes der gemeinnützigen Bauvereinigungen, hält mehr Planungssicherheit für entscheidend. Leistbares Wohnen brauche aus seiner Sicht verlässliche Rahmenbedingungen, kalkulierbare Finanzierungsmöglichkeiten und Verfahren, die Projekte nicht unnötig verzögern.

Der Neubaubericht macht deutlich, dass der Wohnungsneubau in Österreich auf mehreren Säulen beruht. Im Zeitraum von 2024 bis 2026 entfallen 61 Prozent der Wohnbauleistung auf gewerbliche Wohnbauträger, 39 Prozent auf gemeinnützige Bauträger. Bei den gemeinnützigen Bauträgern liegt der Schwerpunkt klar im Mietsegment. Oberndorfer und Gehbauer sehen darin einen Hinweis darauf, dass Wohnbau nur im Zusammenspiel gewerblicher und gemeinnütziger Bauträger ausreichend funktionieren könne.

Weiterhin bestehen deutliche regionale Unterschiede. Österreichweit liegt die Fertigstellungsquote bei drei Wohneinheiten pro 1.000 Einwohner und Jahr. Wien liegt mit 5,12 Einheiten klar an der Spitze, gefolgt von Vorarlberg. Andere Bundesländer, insbesondere Kärnten und Salzburg, bleiben deutlich darunter. Oberndorfer betont in diesem Zusammenhang, dass die Herausforderungen je nach Region unterschiedlich seien und wohnbaupolitische Maßnahmen dort ansetzen müssten, wo im Verhältnis zur Nachfrage zu wenig gebaut werde.

Auch das durchschnittliche Neubauprojekt zeigt, wie stark Leistbarkeit inzwischen Planung und Nachfrage prägt. Ein Projekt umfasst im Schnitt 28 Wohnungen, die durchschnittliche Wohnnutzfläche liegt bei 69,5 Quadratmetern. Fast alle Einheiten verfügen über Freiflächen mit durchschnittlich rund elf Quadratmetern. Besonders stark vertreten sind kleinere Wohnungen mit ein bis zwei Zimmern, die 43 Prozent des Angebots ausmachen. Laut Oberndorfer reagiere der Markt damit auf das, was sich viele Menschen leisten könnten. Um günstigeres Wohnen zu ermöglichen, müssten daher die Rahmenbedingungen für Neubau, Baukosten und Sanierungen verbessert werden.

Laut Neubaubericht hat das Angebot am Neubauwohnungsmarkt Mitte 2024 seinen Höhepunkt erreicht. Damals wurden im Gesamtjahr 35.453 Fertigstellungen verzeichnet. Seither ist die Entwicklung rückläufig, besonders deutlich seit dem dritten Quartal 2025. Für 2026 wird zwar wieder ein leichter Anstieg erwartet, dieser dürfe nach Einschätzung von Oberndorfer und Gehbauer aber nicht als Entwarnung verstanden werden. Entscheidend sei vielmehr, dass wieder ausreichend neue Projekte gestartet werden.

Für eine nachhaltige Erholung brauche der Wohnbau stabile und verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu zählen aus Sicht der Branchenvertreter raschere Verfahren, bessere Finanzierungsbedingungen und ein wirtschaftliches Umfeld, in dem Neubauprojekte wieder leichter realisierbar sind. Nur wenn Bauen planbarer werde, könne ausreichend Wohnraum entstehen und Wohnen für breite Teile der Bevölkerung leistbar bleiben.

Der 1. Österreichische Neubaubericht wird seit 2019 regelmäßig publiziert und vom WKÖ-Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder präsentiert. Er bietet eine umfassende Datengrundlage zu geplanten, gebauten und angebotenen Projekten im großvolumigen Wohnbau. Die Ausgabe 2026 basiert auf der Auswertung von 2.958 Projekten mit rund 83.052 Wohneinheiten in ganz Österreich und wurde im Auftrag des Fachverbandes in Kooperation mit dem Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen von Exploreal erstellt.