Wohnbaukredite: Fixzinsen rücken in den Fokus

Variable Kredite bleiben trotz sinkender Aufschläge teurer
von office@era.at – 24. Jul 2026

Die Aufschläge bei variabel verzinsten Wohnbaukrediten sind zuletzt weiter gesunken. Den Anstieg der kurzfristigen Referenzzinssätze konnten die günstigeren Bankmargen allerdings nur teilweise ausgleichen. Einzelne Institute bieten zwar wieder variable Einstiegskonditionen von unter drei Prozent an, für Kreditnehmer bleiben jedoch die langfristige Leistbarkeit und mögliche künftige Zinssteigerungen entscheidend.

Zum Stichtag 1. Juli 2026 lag der 3-Monats-Euribor bei 2,312 Prozent. Gegenüber dem Vorquartal entspricht das einem Anstieg um 23,7 Basispunkte. Gleichzeitig reduzierten die Banken der Infina-Kreditindex-Marktstichprobe ihre durchschnittlichen Aufschläge um 1,8 Basispunkte auf 1,088 Prozentpunkte und damit auf ein historisch niedriges Niveau.

Im Durchschnitt verteuerten sich variabel verzinste Wohnbaukredite dadurch von 3,181 auf 3,40 Prozent. Die Bandbreite der Aufschläge liegt derzeit zwischen 0,80 und 1,25 Prozentpunkten. Im Wettbewerb um neue Kunden setzen einzelne Banken zudem auf besonders günstige Startkonditionen, wodurch vereinzelt variable Anfangszinsen von weniger als drei Prozent möglich sind.

Solche Angebote sollten allerdings nicht ausschließlich anhand des Einstiegszinssatzes beurteilt werden. Wesentlich ist auch der Kalkulationszins, mit dem die Bank prüft, ob die monatliche Belastung aus dem verfügbaren Nettoeinkommen dauerhaft getragen werden kann. Diese Sicherheitsrechnung ist besonders bei variablen Krediten relevant, da geopolitische Entwicklungen, Inflation und eine veränderte Geldpolitik im Laufe der Kreditlaufzeit erneut zu höheren Zinsen führen können.

Parallel dazu hat die flachere Zinskurve die Attraktivität langfristiger Fixzinsbindungen erhöht. Während die langfristigen Kapitalmarktzinsen derzeit noch von verhaltenen Konjunkturerwartungen geprägt sind, könnten bessere Wachstumsaussichten und anhaltende Inflationsrisiken rasch wieder zu einem Anstieg führen.

Auch die Banken achten bei Fixzinsfinanzierungen zunehmend stärker auf ihre Margen. Der derzeitige Vorteil langfristiger Zinsbindungen ist daher nicht dauerhaft garantiert.

Im zweiten Quartal 2026 erhöhten sich die Zinssätze für langfristige Fixzinsbindungen nur geringfügig. Finanzierungen mit einer 20-jährigen Zinsbindung wurden sogar etwas günstiger. Insgesamt bewegten sich die Veränderungen bei Laufzeiten zwischen zehn und 20 Jahren seit Jahresbeginn in einem engen Rahmen.

Auffällig ist jedoch die unterschiedliche Entwicklung von Kapitalmarkt- und Kundenzinsen. Bei zehnjährigen Laufzeiten sanken die Swapsätze zwischen dem 1. April und dem 1. Juli 2026 um elf Basispunkte. Die durchschnittlichen Kundenzinsen stiegen im selben Zeitraum dennoch um 3,4 Basispunkte auf 3,734 Prozent.

Bei einer Fixzinsbindung über 20 Jahre gingen die durchschnittlichen Nominalzinsen im zweiten Quartal um 2,3 Basispunkte auf 3,941 Prozent zurück. Die aktuellen Angebote bewegen sich überwiegend zwischen 3,65 und 4,15 Prozent. Vereinzelt sind auch attraktive Konditionen für Fixzinsbindungen über 25 oder 30 Jahre verfügbar, da die Zinskurve am sehr langen Ende wieder leicht nach unten zeigt.

Sollten sich die Wachstumsperspektiven durch Investitionen in künstliche Intelligenz, Infrastruktur und Verteidigung oder durch einen möglichen Wiederaufbau der Ukraine verbessern, könnten die langfristigen Zinsen erneut steigen. Im Basisszenario wäre bis Juni 2027 ein Anstieg des 20-Jahres-Euro-Swapsatzes von rund 3,15 Prozent Anfang Juli 2026 auf mehr als 3,40 Prozent möglich.