Wohnungsmarkt 2026: Kurswechsel mit Ansage

Immobilienbranche fordert verlässliche Regeln und Investitionssicherheit
von office@era.at – 16. Jan 2026

Der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder sieht die österreichische Immobilienwirtschaft zu Beginn des Jahres 2026 mit besonders großen Herausforderungen konfrontiert. Betroffen sind nicht nur einzelne Detailfragen, sondern grundlegende Rahmenbedingungen für Vermietung, Verwaltung, Vermittlung und Investitionen. Als zentrale Belastungsfaktoren nennt der Fachverband neue gesetzliche Eingriffe in bestehende Vertragsstrukturen, steigende regulatorische Anforderungen, eine weiterhin angespannte Finanzierungslage sowie zunehmende Unsicherheit bei langfristigen Investitionsentscheidungen. Diese Entwicklungen wirken sich direkt auf Neubau, Sanierung, Bestandserhaltung und damit auch auf das Angebot an leistbarem Wohnraum aus. Aus Sicht des Branchensprechers markiert 2026 daher einen entscheidenden Wendepunkt für den Wohnungsmarkt.

Rückblick: Anhaltender Druck auf die Branche

Der Druck auf die Immobilienwirtschaft besteht nach Einschätzung des Fachverbandes bereits seit mehreren Jahren. Stark gestiegene Bau- und Errichtungskosten, deutlich höhere Zinsen und sehr strenge Kreditvergaberichtlinien haben das bekannte Marktumfeld zusätzlich verschärft. Nach einer Phase sehr hoher Nachfrage kam es ab 2022 zu einer spürbaren Abkühlung, vor allem durch die Zinsentwicklung, die KIM-Verordnung und hohe Baukosten. Viele Kaufinteressierte hätten ihre Entscheidungen nicht aus fehlendem Interesse verschoben, sondern wegen mangelnder Finanzierungsmöglichkeiten.

Trotz dieser angespannten Lage betont der Fachverband, dass die Branche weiterhin Verantwortung getragen habe: Wohnraum sei geschaffen, Bestände seien verwaltet und instandgehalten, Mietverhältnisse seien stabil begleitet und Sanierungen dort umgesetzt worden, wo sie wirtschaftlich noch möglich waren. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die Leistungen von Bauträgern, Maklern und Verwaltern häufig unterschätzt würden, obwohl sie wesentlich zur Wohnraumversorgung und zur Qualität des Bestands beitragen.

Ausblick 2026: Neue Regeln, hohe Unsicherheit

Mit Jahresbeginn 2026 sind das Mietenwertsicherungsgesetz sowie neue Regelungen zu Befristungen bei Wohnimmobilien in Kraft getreten. Zusätzlich steht eine umfassende Reform des Mietrechts auf der Agenda der Bundesregierung. Aus Sicht der Branche führt die Kombination aus bereits umgesetzten Maßnahmen und weiteren angekündigten Eingriffen zu spürbarer Rechtsunsicherheit. Diese betreffe bestehende Mietverträge ebenso wie Investitionsentscheidungen, Finanzierungsmodelle, Sanierungen und letztlich das zukünftige Wohnungsangebot. Der Fachverband unterstreicht in diesem Zusammenhang, dass Investitionen stabile, verlässliche und langfristig kalkulierbare Rahmenbedingungen benötigen.

Neubau, Sanierung und Finanzierung unter Druck

Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen laut Fachverband im Neubau- und Sanierungsbereich: Die Neubauzahlen lägen österreichweit auf einem historischen Tiefstand, viele Sanierungsprojekte würden verschoben oder ganz gestrichen, und die Sanierungsrate bleibe klar hinter politischen Zielsetzungen zurück. Hohe Baukosten treffen dabei zusätzlich auf wachsende regulatorische Anforderungen.

Als zentraler Engpass gilt weiterhin die Finanzierung. Restriktive Kreditvergabe, hohe Eigenkapitalanforderungen und eine große Zurückhaltung der Banken würden selbst wirtschaftlich solide und nachhaltige Projekte bremsen. Der Fachverband warnt, dass ohne verlässliche Finanzierung weder Neubau noch Sanierung in ausreichendem Ausmaß möglich seien – und damit auch kein ausreichendes Wohnungsangebot entstehen könne.

Mietenwertsicherungsgesetz: Kritik an der praktischen Umsetzung

Das Mietenwertsicherungsgesetz wurde nach Darstellung des Fachverbandes von Beginn an kritisch, aber konstruktiv begleitet. Ziel sei eine zeitlich begrenzte Entlastung gewesen, ohne langfristige Schäden für den Wohnungsmarkt zu verursachen. Wesentliche Forderungen der Branche, etwa ein Verzicht auf Parallelrechnungen und eine klare Befristung, seien jedoch nicht berücksichtigt worden. In der Praxis werde das Gesetz als komplex wahrgenommen, verursache zusätzliche Bürokratie und verunsichere bestehende Mietverhältnisse. Gleichzeitig betont der Fachverband, dass eine Wertsicherung grundsätzlich notwendig bleibe, um langfristige Verträge fair zu gestalten und Investitionen abzusichern.

ZIAG als Beitrag zu mehr Rechtssicherheit

Positiv bewertet der Fachverband hingegen das Zivilrechtliche Indexierungs-Anpassungsgesetz. Es schaffe mehr Klarheit bei Wertsicherungsvereinbarungen und stärke damit Rechtssicherheit und Planbarkeit. Zudem trage es dazu bei, Vertrauen in bestehende Verträge zu erhalten.

Ausbildung und Nachwuchs als Schlüsselthemen

Neben den rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rückt der Fachverband auch den Fachkräftebedarf in den Fokus. Die Branche sei auf qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen, gleichzeitig nehme der Fachkräftemangel zu und die Zahl der Lehrlinge gehe zurück. Als wichtiges Instrument der Nachwuchsgewinnung wird die Bundeslehrlingstagung genannt, die von 22. bis 25. September 2026 an der Landesberufsschule Tamsweg stattfinden soll. Die Veranstaltung verbindet fachliche Inhalte mit Praxisexkursionen und soll jungen Berufseinsteigerinnen und -einsteigern praxisnahes Wissen, Motivation und branchenspezifische Kompetenzen vermitteln.

Fazit: Immobilienwirtschaft als Teil der Lösung

Abschließend betont der Branchensprecher, dass die Immobilienwirtschaft als Teil der Lösung verstanden werden wolle. Ein funktionierender Wohnungsmarkt brauche gut ausgebildete Fachkräfte, praxistaugliche Rahmenbedingungen und verlässliche Finanzierungsinstrumente. Der Fachverband signalisiert Bereitschaft, Know-how und Praxiserfahrung auch in politische Prozesse einzubringen.