Die österreichische Zement- und Betonindustrie sieht die schwache Baukonjunktur als größte Herausforderung im Jahr 2026. Fast alle Unternehmen der Branche halten eine spürbare Belebung des Baumarkts für vordringlich, viele kämpfen zusätzlich mit einer angespannten Auftragslage. Das geht aus einer aktuellen Umfrage unter 82 Entscheidungsträgern hervor, die im Februar und März 2026 im Auftrag von Beton Dialog Österreich durchgeführt wurde.
Neben wirtschaftlichen Impulsen fordert die Branche vor allem weniger Regulierung und einen spürbaren Abbau bürokratischer Hürden. Gleichzeitig will sie ihre Maßnahmen zur Ressourcenschonung und zur Förderung der Kreislaufwirtschaft weiter ausbauen. Auch das Ziel der Klimaneutralität bleibt fest im Fokus.
Als wichtigste Hebel für neues Wachstum nennt die Branche Investitionen in die öffentliche Infrastruktur sowie in leistbaren Wohnraum. Aus ihrer Sicht braucht es dafür rasch klare politische Rahmenbedingungen. Anton Glasmaier, Vorstandsvorsitzender von Beton Dialog Österreich, spricht sich für eine stärkere Bündelung der Zuständigkeiten in den Bereichen Bauen, Wohnen, Infrastruktur und Baustoffpolitik aus. Zudem müssten die Gemeinden im Rahmen des Finanzausgleichs stärker unterstützt werden, damit sie mehr in Wohnbau, öffentliche Gebäude, Infrastruktur und Klimaanpassungsmaßnahmen investieren können.
Besonders große Chancen sieht die Branche in genau diesen Feldern. Zwei Drittel der Unternehmen betrachten den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur als wichtigste Wachstumschance, dicht gefolgt vom Bau leistbarer Wohnungen. Auch auf mittlere Sicht bleibt Infrastruktur aus Sicht vieler Betriebe der wichtigste Wachstumsmotor für den Baustoff Beton.
Darüber hinaus betonen die Unternehmen die Vorteile von Beton im nachhaltigen Bauen. Vor allem bei platzsparenden Bauformen wie Verdichtung, Aufstockung sowie beim Bauen in die Höhe und Tiefe wird dem Baustoff großes Potenzial zugeschrieben. Auch die Langlebigkeit von Betonbauten und die Kreislauffähigkeit des Materials werden als wesentliche Stärken genannt.
Zunehmend wichtig wird zudem die Rolle von Beton bei energieeffizienten Gebäuden. Viele Unternehmen verweisen auf die Möglichkeiten der thermischen Bauteilaktivierung, bei der Beton Wärme oder Kälte speichern und zeitverzögert abgeben kann. Dadurch lassen sich Innenräume nachhaltiger temperieren.
Trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage bleibt Nachhaltigkeit für die Branche ein zentrales strategisches Thema. Ein Großteil der Unternehmen misst Umweltschutzmaßnahmen hohe Bedeutung bei. In vielen Betrieben sind Recycling, die Wiederverwertung von Rohstoffen sowie der Einsatz erneuerbarer Energien längst fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Zusätzlich setzen zahlreiche Unternehmen gezielt auf Maßnahmen zur Abfallvermeidung.